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(...) Die Verfremdung durch Tierkostüme führt auch zu der Arbeit The Metaphysical Possibility of Joy in the Mind of Someone Unhappy (2010). Natürlich ist die Präsentation eines über 3 m langen Kuscheltier-Hai- Fischs eine Persiflage auf Damien Hirsts in Formaldehyd eingelegten echten Hai.
Hirsts Skulptur mit dem Titel The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living (1991) zeigte an sich nichts Ungewöhnliches. Präparierte Haie sind, zumindest in ausgestopfter Form, aus dem Naturkundlichen Museum bekannt. Als Kunstwerk in einem Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst löst Hirst den Hai von jedem naturkundlichen Interesse und reduziert ihn auf Aspekte des Todes, des Schreckens und damit als Ausstellungsobjekt auf die vom Schrecken getriebene Gier der Besucher nach Sensation.
Genauso wie der Teddy nichts von der Gefährlichkeit eines lebenden Bären hat und als eine dem Menschen ähnliche Spielpuppe lediglich die flauschigen Rundungen des Bären aufgreift, hat ein Kunstfell-Hai trotz gleicher Größe nichts von den mit dem Tod in Verbindung stehenden Attributen des Haies von Damien Hirst.
Neubauer verwendet den hirstschen Hai eher als das, was er längst geworden ist: Als eine mediale Ikone der neueren Kunstgeschichte. Unabhängig von Inhalt und Kontext ist das Ready-made des Hais wie das Pissoir von Duchamp zu einem Symbol moderner Kunst geworden, das weniger über die Kunst als über die mediale Wahrnehmung und Vermittlung von Kunst etwas aussagt. Es ist eine Schematisierung, die jede Persiflierung und Überzeichnung zur Grundlage hat. Die Drag Queen ebenso wie der Teddybär und der Stoffhai. (...)
by Rene Zechlin
ENDLICH SIND WIR ALLE EIN LEERES ORCHESTER!
| 2007-11 | dvd mit 10 videos | 40 minuten |
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(...) Neuere Videoarbeiten von Sebastian Neubauer verlassen den o?ensichtlichen Weg des Rollenwechsels und der Kostümierung. Allerdings zeigen sie eine andere Form der verfremdenden Aneignung. Für die Serie Endlich sind wir alle ein leeres Orchester mit insgesamt 10 Videos verwendet Neubauer die Untertitel von kurzen Filmausschnitten, um diese in einer Karaoke-Version zu verfremden und sich anzueignen.
Bei Karaoke-Abenden werden die Texte populärer Songs zum Mitsingen auf einem Monitor angezeigt. Geht es bei Karaoke-Vorführungen um die Imitation der Songs und Popstars, ist Neubauer nicht an einer Nachahmung der Schauspieler und Sprecher der Filme gelegen. Im Gegenteil, statt die Textzeilen zu sprechen, singt er die Dialoge und Aussagen. Gegebenes Bild und Text sperren sich dabei regelrecht gegen die Gesangsversion. Ungeachtet des Inhalts der Texte und des Kontextes der Filme verzerrt und verschiebt Neubauer Silben und Worte und unterwirft Bild und Text seiner eigenen Interpretation.
Bei dem zu der Serie gehörenden Video Freiheit und Verantwortung handelt es sich um einen Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm mit der untertitelten Übersetzung eines Interviews mit Jean-Paul Sartre, in dem dieser über bürgerliche Freiheit und Verantwortung spricht. Now, close your eyes! zeigt eine extrem verlangsamte Szene aus Milos Formans Spielfilm über den amerikanischen Komiker Andy Kaufman Man on the Moon (1999). Mit weiteren Ausschnitten so aus der amerikanischen Fernsehserie The Wire , der Late-Night-Show von David Letterman, aus einem Film von Birgit Hein, bei der Sebastian Neubauer studiert hat, oder aus einem Interview mit dem Musiker Ted Gaier, der über Zukunft und Ängste spricht spinnt Neubauer in seiner Videoserie ein Geflecht aus Referenzen an die Fernseh-, Film- und Unterhaltungswelt.
Erscheint die Serie Endlich sind wir alle ein leeres Orchester wie ein Experiment persönlicher Aneignung durch Gesang, bei dem die Unterwerfung des Ausgangsmaterials wie ein Sieg anmutet, (...) von Rene Zechlin
GABI ODER ZWEI FARBEN GELB
| 2011 | video | 24 minuten |
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von Per Olaf Schmidt, Tom Schön und Sebastian Neubauer
Kamera: Sebastian Egert
(...) Es folgt: ein Dramolett mit dem Titel: Gabi oder Zwei Farben Gelb. Auftritt: Die dysfunktionale Kleinfamilie.
In der Hauptrolle: ein augenscheinlich depressiver Teddybär unklaren Alters, der, obwohl mit Geschenken buchstäblich überschüttet, seinen eigenen Geburtstag stumm an einem Strohhalm saugend über sich ergehen lässt. Den blinkenden Roboter, der sein Freund werden soll, ignoriert er ebenso wie Kuchen und Wackelpudding. Zu seiner Rechten und Linken: die Eltern. Rechts von ihm, da ist die Mutter, eine grell geschminkte, bärtige Lady mit falschen Wimpern und Lockenwicklern im Haar, die vergeblich versucht, ihm sein erstes Wort hervorzulocken er will nicht »Mama« sagen, er will, so scheints, nur so lange an seinem Saft nuckeln, bis alles vorüber ist. Links, da ist der Vater, beinahe ebenso teilnahmslos wie der Sohn, ein kettenrauchender Forscher, eher verrückter Wissenschaftler als braver Akademiker, der lieber im Labor an obskuren Experimenten werkelt als den öden familiären Alltag zu ertragen.
Mutter und Kind, Vater und Sohn können jeweils nur im Imaginären zueinander finden, hier sind sie im Tanz vereint, eine absurde Diskofantasie ekstatischer, befreiter Körper, fern der unerträglichen Tristesse der gemeinsamen Mahlzeiten, nicht ohne Peinlichkeit und doch umso berührender. Ein Elternteil muss jedoch in der Fantasie immer außen vor bleiben ein ödipaler Konflikt, wenngleich symmetrisch: Beide buhlen sie im Wettstreit miteinander um die Gunst des Kindes, mit Wackelpudding wahlweise in Rot und Grün, und beide werden sie enttäuscht. Voneinander scheinen sie schon lange nichts mehr zu erwarten, verträumt streichelt die bärtige Lady den Gummischlauch des Roboters, doch auch der vermag ihr nicht wiederzubringen, was sie verloren hat.
Eine Sitcom ohne Off-Gelächter, wie ein ewig in die Länge gezogener und dafür seiner Pointe beraubter Witz: Treffen sich ein Teddy, ein Roboter, eine bärtige Lady und ein verrückter Wissenschaftler ... und dann?
Dann kommt das Schweigen, scheinbar endlos und kaum zu ertragen, oder die Wiederholung der immer gleichen sinnlosen Wörter und Sätze, die noch unerträglicher ist, und kein Lachen beendet die Qual, auch kein Weinen, nur ein Schlürfen.
Am Ende hilft nur Saugen und Nuckeln, Weintrinken und Rauchen alle Beteiligten scheinen hier in ihrer oralen Phase gefangen, passiv, voneinander abhängig und doch unfähig, miteinander irgendwelche Beziehungen einzugehen.
Ein kleinbürgerliches Familiendrama wird so als Freakshow und B-Movie bis zur Kenntlichkeit entstellt, auf halbem Weg zwischen Fassbinder und Ed Wood, kälter als der Tod und greller als Wackelpudding. Vorhang, Applaus. (...)
von Roland Meyer
VILLA VAUDEVILLE
| 2008-10 | 24 abende |
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Die »Villa Vaudeville« war eine Veranstaltungsreihe von künstlerischen Aufführungen und Treffpunkt für Kunstinteressierte. Zwischen dem November 2008 und Oktober 2010 wurde einmal im Monat in der Villa Minimo (das Stipediatenhaus in Hannover) ein abendfüllendes Programm präsentiert.
Dieses bestand aus einer Kombination von Film- & Video-Screenings, Künstlergesprächen, Live Musik, lecture performances und anderen künstlerischen Darbietungen.
Zu Gast waren unter anderem Thomas Kapielski, Corinna Schnitt, Marcus Steinweg, Knarf Rellöm, Michael Klöfkorn, Alexandra Gerbaulet und David Blandy.
Die Organisation und kuratorische Arbeit übernahmen Dennis Bettels, Per Olaf Schmidt, Tom Schön und Sebastian Neubauer. Die Fotoserie der Postkarten wurde in Zusammenarbeit mit Samuel Henne erstellt.
Full programme (in german) www.villavaudeville.net
MIT YOKO ONO ALS IDEE UNTER DER AUTOBAHN ZUR HÖLLE
| 2007 | video | 7 minuten |
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von Per Olaf Schmidt, Sebastian Neubauer
Ein Lagerfeuer und der Mut brennt. Mit Schwung und einer geraden Faust wird die dickste Saite im Land gefoltert. Doch ohne es zu ahnen, bringt sie mehr als Töne: Freude und Erweiterung sind die süßen Früchte der Stunde.
Es entgleitet der Geist wie das Zelt, das bleibt.
Zwei Freunde treffen sich zum Musizieren unter einer Brücke. Ausgänge solcher Ereignisse sind manchmal unvorhersehbar.
Natürlich hat Yoko Ono gesagt, dass jeder Fluss ins Meer fließt. Aber wie lange gilt eine solche Weisheit? Einige Generationen später tritt Per Olaf Schmidt mit seiner Gitarre auf, an einem typischen "Unort", wie ihn Straßenverkehr überall geschaffen hat. In vollem Bewusstsein musikalischen Missklanges nimmt er sich den Wahrheitsgehalt solcher Sätze vor. Die Performance gerät zu einem explosiven Gemisch aus Sinnsuche, Skepsis, musikalischer Parodie und Selbstbefragung seiner Generation.
von kunstmuseum magdeburg
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